Aktuelle Herausforderungen in der Psychotherapie
Shownotes
Psychotherapie steht derzeit vor zahlreichen Herausforderungen: begrenzte Kapazitäten in der Versorgung, Veränderungen bei der Vergütung und aktuelle politische Diskussionen über eine mögliche Budgetierung. Mit dem Entwurf des GKV-BStabG könnten weitere Änderungen auf Therapeutinnen und Patientinnen zukommen.
Wie erleben Betroffene und Behandelnde diese Entwicklungen? Darüber sprechen wir mit der Psychotherapeutin Jana Cremer und Sylvana Haider, die sich seit drei Jahren in psychotherapeutischer Behandlung befindet. Beide engagieren sich im Aktionsbündnis Psychotherapie.
Außerdem beschäftigen wir uns mit einem Thema, das vor allem in sozialen Medien immer häufiger diskutiert wird: Selbstdiagnosen. Welche Chancen und Risiken bringen sie mit sich, und wie beeinflussen Plattformen wie TikTok oder Instagram den Blick auf psychische Gesundheit?
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00:00:03:
00:00:17: Hallo und herzlich willkommen hier bei Babel FM auf Radio Feierwerk.
00:00:22: Ich bin Janina, wir beschäftigen uns heute eine ganze Stunde mit dem Thema Psychotherapie.
00:00:28: Denn ich habe ... Vor Kurzem mit Diplompsychologin Jana Kremer und Silvana Heider gesprochen.
00:00:35: Silvana befindet sich gerade in psychotherapeutischer Behandlung.
00:00:39: Die beiden sind auch aktivistisch unterwegs im Aktionsbündnis Psychotherapie, wenn ihr dazu mehr Infos wollt könnt ihr gerne mal auf der Website vorbeischauen.
00:00:48: Genau zusammen wollen wir heute über die aktuelle politische Lage rund um das Thema Psychotherapiesprechen Und vor allem über Herausforderungen mögliche Folgen für Betroffene und Therapeutinnen.
00:00:59: Hallo Jana, hallo Sylvie!
00:01:00: Schön dass ihr heute bei uns im Studio seid.
00:01:03: Hallo, danke schön für die Einladung.
00:01:05: Hi,
00:01:06: danke.
00:01:07: Zum Einstieg richten sich meine ersten Fragen an Jana.
00:01:10: Kannst du dich einmal vorstellen?
00:01:12: Ja gerne, mein Name ist Jana Griemer.
00:01:14: ich bin vierzig Jahre alt.
00:01:16: Ich habe Diplompsychologie studiert.
00:01:20: Das ist jetzt schon ein bisschen her, aber ich bin noch nicht ganz so lange abprobiert.
00:01:25: D.h.,
00:01:25: ich habe die Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin gemacht und bin seit Anfang vierundzwanzig niedergelassen mit eigener Praxis in Dachau.
00:01:36: Beim Aktionsbündnis Psychotherapie bin ich seit Mitte März dabei.
00:01:40: Das Aktions-Bündnis gibt es selten Mitte Märze!
00:01:43: Ach, das ist auch so frisch?
00:01:44: Ich
00:01:45: wusste gar nicht.
00:01:46: Wie erlebst du aktuell die Versorgungslage in der ambulanten Psychotherapie, besonders jetzt im Hinblick auf Wartezeiten und Therapieplätze?
00:01:55: Mit oder ohne Kürzungen und mit oder ohne Gesetzeslage.
00:01:58: Mit
00:01:58: Gesetz, mit allem!
00:01:59: Mit
00:01:59: allem Katastrophal.
00:02:01: also das war vorher schon sehr schlimm.
00:02:03: aber die Honorarkürzung haben es noch mal verschlimmert Und die drohenden Sparmaßnahmen, die jetzt im Gesetz angekündigt werden und tatsächlich in den Lesungen stecken werden.
00:02:16: Das wird das gesamte gesundheitspolitische System, das Gesundheitsversorgungssystem komplett kalrasieren.
00:02:23: Es wird schrecklich!
00:02:24: Das klingt gar nicht gut.
00:02:25: Ja...
00:02:26: Die Bundesregierung hat ja auch vor Kurzem einen Entwurf des GKV-Beitragssatz Stabilisierungsgesetzes veröffentlicht hat.
00:02:33: Habe ich richtig?
00:02:34: Genau, das ist dieses Spahnmaßnahmengesetz von dem ich auch gesprochen habe.
00:02:37: Und unter anderem könnten dann Kurzzeittherapiezuschläge wegfallen und weitere Zahlungen gestrichen werden.
00:02:42: Welche Folgen hätte das konkret für jetzt ein Arbeitsalltag?
00:02:46: Diese Kürzungen von den Zuschlägen sind nur einen Teil davon der viel größere Brocken in diesem Gesetz enthalten ist.
00:02:54: Da geht es um die sogenannte Wiedereinbudgetierung der psychotherapeutischen Honorare vor vielen, vielen Jahren.
00:03:02: Also wirklich lang her, vor dem Jahr zwölf waren wir Psychotherapeuten schon einmal in der Budgetierung und das ... war fürchterlich, deswegen wurde es auch abgeschafft.
00:03:12: Seitdem sind wir extra budgetär vergütet.
00:03:16: Wir Psychotherapeutinnen haben unseren eigenen Honoratropf.
00:03:18: Also wenn jemand einen Bedarf hat, kann der kommen und wir kriegen ein Honorat dafür, wenn wir den behandeln.
00:03:25: Jetzt mal so simpel gefasst.
00:03:27: Das neue Gesetz, das jetzt verabschiedet werden soll, möchte die Honorare wieder in die Budgetierung reinholen.
00:03:34: Wir werden dann mit einer bestimmten Ärztekruppe einen Honoratopf geworfen.
00:03:38: Es beginnt ein Verteidiger ... um ein limitiertes, gedeckeltes Honorargeld sozusagen.
00:03:45: Das heißt, wenn halt der Topf irgendwann leer ist, dann gibt's kein Geld mehr, egal wunderschön davon ob Leute noch Bedarf haben oder nicht.
00:03:51: und da wir nicht wissen wann der Topft leer ist können wir ins Blaue hinein mal therapieren in der Hoffnung darauf dass wir das auch bezahlt bekommen.
00:04:00: aber es steht halt nicht mehr fest damit.
00:04:03: Aber wann würde man dann Bescheid bekommen?
00:04:05: Ist da nicht einfach mal
00:04:07: so, dass
00:04:07: jemand anruft und sagt jetzt ...
00:04:08: Nein.
00:04:09: Deswegen ist es völlig unplanbar.
00:04:11: Und das macht ja auch diese große Schwierigkeit aus.
00:04:14: Das ist der wirtschaftliche Aspekt für uns Praxisinhaber natürlich.
00:04:18: Weil wir Null planen können.
00:04:19: Natürlich als ich den Kassensitz gekauft habe, musste ich eine Geschäftsplanung vorlegen, damit ich halt auch den Kredit bekomme, damit sich eben der KV das Geld zahlen kann für den Kassen-Sitz.
00:04:31: D.h.,
00:04:31: man braucht ne Planbarke.
00:04:32: weil wenn ich weiß, was sind ungefähr meine Ausgaben?
00:04:35: Aber was sind auch meine Einnahmen.
00:04:37: Ich kann also steuern wie viele Patientenstunden ich pro Woche, pro Monat machen muss, halten muss, einplanen muss damit ich sagen kann okay das rechnet sich für mich, ich kann meine Kosten decken und ich kann auf Fortbildung gehen und so weiter und sofort.
00:04:50: aber mit diesem neuen Gesetz ist das alles völlig hinfällig habe keine Ahnung mehr ich kann nichts planen und das einzige was relativ sicher ist dass naja die Behandlungsstunden ungefähr dass sie behilftig sein werden.
00:05:03: Ich hab letztes Jahr pro Woche dreißig Patienten pro Woche gesehen, das war ein bisschen viel, ich hab's reduziert.
00:05:11: aber für letztes Jahre war es so und mit dem Biedetierungsgesetz soll es möglicherweise maximal auf achtzehn rauslaufen.
00:05:20: Was mache ich?
00:05:20: Mit denen, die ich in Behandlung hatte, habe ich den, sorry Leute, ich kann euch nicht mehr behandeln oder ... Ich weiß es nicht!
00:05:26: Wann greift das Gesetz?
00:05:27: Steht das schon fest oder war es jetzt erst mal ein Entwurf?
00:05:30: Es war zuerst ein Entwurf.
00:05:32: Dieser Entwurf wurde aber jetzt schon, also der Referenten-Entwurf, in eine Gesetzesform gegossen und die wird jetzt schon in Berlin diskutiert werden.
00:05:41: ab übernächster Woche beginnen die Lesungen.
00:05:44: Und es soll noch vor der Sommerpause durchgepusht werden ja.
00:05:48: Sehr auch für Patientinnen, sag ich mal total, die Doverlage weil sie ... Also bis jetzt war es ja schon schwierig, Plätze zu
00:05:55: finden.
00:05:56: Was hatten das für Folgen für Patientinnen?
00:05:59: Zum Teil musste ich meine Warteliste eh schon schließen also auch schon vor den Kürzungen aber jetzt kann ich überhaupt nicht mehr planen.
00:06:05: eigentlich würde ich gerne zum Beispiel zwei weitere neue Gruppen anbieten zusätzlich zu denen.
00:06:09: zwar die schon habe aber keine Ahnung ob dass auch Individuierung mit reinzählt.
00:06:14: Das heißt, wenn ich eine Gruppe gebe, habe ich schon die Hälfte meiner Patientenstunden.
00:06:18: Ich kann Patienten eigentlich gar nichts mehr sagen und dementsprechend nehme ich keinen neuen auf.
00:06:22: aktuell weil ich es einfach nicht weiß.
00:06:25: Das heißt, die bleiben dann völlig außen vor und müssen sich irgendwo anders versuchen.
00:06:29: Nur das Problem ist ja dass alle anderen Kollegen das selbe Problem haben wie ich.
00:06:34: Das heißt Patienten drohen wirklich, dass sie gar nicht mehr versorgt werden am Volant oder halt selber zahlen müssen was auch überhaupt nicht... geht, weil nicht jeder kann sich das leisten.
00:06:44: Das ist auch überhaupt nicht die Idee unseres Solidarstaates und Sozialstaates, dass wenn man in der gesetzlichen Krankenversicherung ist, dass man dann plötzlich aus einer Tasche so etwas wie eine Psychotherapie zahlen soll?
00:06:57: Genau!
00:06:57: Um.
00:06:57: dementsprechend werden die Wartezeiten sich entweder exorbitant steigern von mittlerweile im Durchschnitt hundertzwanzig Tage auf nochmal plus vielleicht fünf Monate was eine wirklich krass schlimm lange Zeit ist, wenn man bedenkt, Dem geht's schlecht, der kriegt am Boden.
00:07:14: Der braucht eigentlich Soforthilfe in den meisten Fällen und selbst wenn es nicht ganz so akut ist, wärs schon ganz gut, wenn man dann zeitnah die Behandlung starten würde.
00:07:24: aber all das geht halt nicht mehr.
00:07:25: Und gerade auch im Kinder- und Jugendbereich ist halt im Grunde jeder Tag und jeden Monat, den man zuwartet, Prognose deutlich schlechter wie es mit der Erkrankung vor sich geht.
00:07:38: Aber sehen Sie das wirklich als Einsparungen oder eigentlich langfristig höhere gesellschaftliche Kosten?
00:07:44: Ganz definitiv, ja.
00:07:45: Also es ist für mich ein vorgeschobener Grund, dass dieses Gesetz ausschließlich der Beitragssatz Stabilisierung dienen soll.
00:07:55: also die Idee ist ja, dass gesetzlich Versicherte nicht noch mehr Beiträge zahlen sollen.
00:08:01: Das könnte dadurch vielleicht tatsächlich erreicht werden, nur zu welchem Preis.
00:08:05: Also wenn dafür das Gesundheitssystem komplett kahlgeschlagen wird dann ist es nicht angemessen unter gar keinen Umständen.
00:08:14: weil
00:08:15: also ich nehme noch mal eine Zahl pro Jahr in Deutschland haben wir wirklich extrem traurigerweise Zehntausend Suizide zu verzeichnen.
00:08:25: Wenn jetzt die ambulante Psychotherapie zusammenbricht und das wird sie werden, wenn dieses Gesetz so kommt wie vorgeschlagen.
00:08:33: Dann könnte man auch damit rechnen dass diese Zahl der Suizidfälle pro Jahr wahrscheinlich noch mal schiekt weil die beste Prävention dagegen ist Psychotherapie.
00:08:44: Das kann nicht das Ziel sein wirklich mich.
00:08:46: Dann komme ich jetzt zu fragen an dich
00:08:49: Silvi.
00:08:50: Magst du dich einmal vorstellen für unsere Hörerinnen?
00:08:53: Mein Name ist Silvana Heider.
00:08:54: Ich bin in Simonzwanzig und Studentin an der Technischen Universität München, und benutze mittlerweile knapp ... Ich glaube, es sind knapp drei Jahre, die ich jetzt in Psychotherapie bin.
00:09:06: Genau und im Bündnis bin ich auch ungefähr relativ von Anfang an ... Also da kam's durch eine Rede am Gärtnerplatz dazu.
00:09:17: Seitdem bin ich aktiv mit dabei und engagiere mich.
00:09:19: Und bin sehr froh heute hier sein zu dürfen!
00:09:22: Wir freuen uns auch, dass ihr beide da seid.
00:09:24: Wie schwierig war es denn für dich einen Therapieplatz zu finden?
00:09:27: Und welche Auswirkungen hatte die Wartezeit darauf oder auf dich?
00:09:32: Also, es war ... Ich glaube, deutlich einfacher für mich durch den Fakt, dass ich privat versichert bin.
00:09:38: Was aber nicht bedeutet, das ich sofort von heute auf morgen Platz bekommen habe?
00:09:42: Also, ich hab trotzdem wahnsinnig viele Therapeute in den Anschreiben müssen und hab doch auch ein paar Monate gewartet bis ich halt wirklich den passenden Platz gefunden hab, weil es passt ja auch nicht jeder Therapeut.
00:09:54: Genau unter was mir hat einfach wichtig dann einen guten Platz zu finden.
00:10:03: Aber die Zeit bis dahin war super anstrengend.
00:10:07: Ich hatte ständig das Gefühl, ich hänge in der Luft.
00:10:10: Also ich weiß ... Ich brauch ganz dringend Hilfe und ... Ich wusste ja auch irgendwie so, wie ich diese Hilfe bekomme und an wenig mich wenden muss.
00:10:18: Aber das Problem war halt, dass die Plätze dafür nicht da waren ... Das war super schlimm für mich!
00:10:23: Ja total, also ich hatte das Problem auch.
00:10:25: Und irgendwie man will ja was für sich tun aber irgendwie man kommt nicht weiter und es scheitert ja nicht in einem selber sondern einfach irgendwie an der Struktur.
00:10:31: Ganz genau.
00:10:32: Wenn's jetzt noch schlimmer wird, will ich mir gar nicht ausmalen.
00:10:35: Was hättest du denn für dich bedeutet wenn du keine ambulante Psychotherapie bekommen hattest?
00:10:39: Oh.
00:10:40: Gute Frage.
00:10:42: Ich bin mir tatsächlich nicht sicher, ob ich das überlebt hätte.
00:10:46: Weil bei mir ist es so ... Ich hab eine posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst durch einen Trauma und das war für mich zwischendurch so schlimm und die Symptomatik war so heftig, dass ich wirklich das Gefühl hatte, ich ertrag das nicht, ich schaff das nicht.
00:11:00: Ich bin in einem so tiefen, so düsteren Loch ... Also, ich hätte selber nicht gewusst, wie ich mich da noch rausziehen soll.
00:11:08: Und deswegen glaub ich, war das
00:11:09: für mich
00:11:10: schon auch irgendwo ein Stück weit ne Rettung diesen Therapieplatz zu bekommen.
00:11:14: Um so besser, dass du jetzt eine gute Therapeutin gefunden hast?
00:11:18: Ja voll, da bin ich auch total dankbar dafür!
00:11:22: Ist das die gleiche seit drei
00:11:24: Jahren?!
00:11:25: Das ist auch schön.
00:11:26: Jetzt so gut
00:11:26: passt, ja
00:11:27: total!
00:11:28: Und wenn du heute an deine Therapie sucht, was würdest du in einer Person raten, die aktuell vielleicht in der ähnlichen Situation ist?
00:11:34: Ich glaub das Wichtigste ist nicht aufgeben.
00:11:37: Ich weiß wie nervig und aufreibend es sein kann.
00:11:40: ich weiß wie ewig lang sich das auch ziehen kann und das fühlt sich ja so unendlich lange an Wenn man da ständig sucht und es kann so niederschmettern sein, wenn man ständig eine Abweisung nach den anderen erfährt und wirklich für sich selbst zu kämpfen.
00:11:57: Ich weiß, es ist schwierig ... Aber ich schau so, dass ich alle Kraft, die ich irgendwie noch finden kann, in die Therapieplatzsuche investiere.
00:12:06: Genau!
00:12:07: Das ist das Wichtigste.
00:12:09: Es lohnt sich dran zu bleiben?
00:12:10: Absolut.
00:12:11: Habe ich ein paar Fragen an euch beide.
00:12:13: Was passiert denn aus eurer Sicht, wenn Menschen mit psychischen Erkrankungen länger auf Hilfe warten müssen als ihr schon?
00:12:19: Chronifizierung ist ein ganz massiver Punkt der Kann- ... zu führen, dass man länger bei der Arbeit krankgeschrieben ist zum Beispiel.
00:12:27: Das heißt auch auf Arbeitgeberseite haben gibt es natürlich Auswälle.
00:12:30: aber wenn man selber leidet ja auch selber unter weniger Lohn also zuerst für eine bestimmte Zeit kriegt man ja noch denselben Lohn dann krieg man aber nur noch achtzig Prozent und wenn man dann daraus fällt kriegt Man nochmal mehr weniger und manchmal geht das soweit Dass man bis ins sozialhilfe System rutscht weil man einfach nicht mehr arbeitsfähig ist, früh berendet werden muss.
00:12:50: Das ist dann wieder komplex, weil wir noch auf die ganzen Antragsverfahren durchstehen.
00:12:56: Manche schaffen das nicht und werden dann komplett arm.
00:12:58: Mancher werden obdachlos.
00:13:00: Die Abwärtsspirale kann schon ziemlich schnell ziemlich drastisch werden.
00:13:05: Wenn da jemand zum Beispiel in der Depression hat und gerade nicht telefonieren kann, weil die Depression voll zuschlägt, kriegt er weniger Geld, weil er krank ist und führt zu mehr Leiden, Krise oder Existenz.
00:13:20: Wie wiederum die Depression verstärkt?
00:13:22: Es ist ein Teufelskreis ohne Ende!
00:13:24: Warum glaubt ihr das, wenn es betrifft so viele Leute und auch die Folgen sind enorm?
00:13:30: Warum wird es aus gesellschaftlicher Sicht weniger ernst genommen als körperliche Erkrankungen?
00:13:36: Das ist immer noch ein Thema, das ist stigmatisiert bei uns in der Gesellschaft.
00:13:41: Es wird von Haus aus viel zu wenig drüber gesprochen viel zu wenigen Menschen, glaub ich bewusst.
00:13:48: Wie groß die Problematik ist und wie viele Menschen da draußen betroffen sind?
00:13:52: Also das ist ja eine riesengroße Zahl an Betroffenen, die wir da haben.
00:13:56: Und also ich glaube ... Das könnte so ein riesengroser Faktor sein!
00:14:02: Da würde mich schon anschließend auch wenn ... Die Stigmatisierung ein bisschen abgenommen hat in den letzten zwanzig vielleicht dreißig Jahren.
00:14:10: es ist schon besser geworden.
00:14:11: immerhin kann man heutzutage eher mal sagen hey Mir geht's nicht so gut.
00:14:16: Und ich bin nicht körperlich krank, deswegen bleibe ich trotzdem zu
00:14:20: Hause.".
00:14:20: Das ist schon möglich geworden aber ... dass es normal ist über Depressionen zu sprechen oder über eine PTWS, was einem schlimmst passiert ist.
00:14:30: Dass das noch überhaupt nicht normal war da ganz viel Scham mit im Boot sitzt und ganz viel Schuldgefühl, die völlig ... unzutreffend sind, aber die Betroffenen fühlen das so leider.
00:14:43: Und da gibt es sehr selten jemandem, der Ihnen das Gegenteil
00:14:47: zeigt.".
00:14:48: Stattdessen wird es durch diese ja doch schon sehr neoliberalausgerichtete Gesellschaft immer wieder auch befeuert.
00:14:56: Warum kannst du nicht mit deiner Depression arbeiten?
00:14:58: Verstehe ich nicht, mach doch mal... Du musst dich nur mehr anstrengen!
00:15:02: Du musst es nur mehr wollen!
00:15:03: Also dieses was mir Patienten erzählen ist, ich fall jedes Mal wieder rückwärts vom Stuhl weil das so viele Vorurteile und falsche Konzepte über psychische Erkrankungen gibt.
00:15:15: Wenn das eine Willensfrage wäre, was es nicht ist ... Ich möchte an alle draußen sagen, es ist keine
00:15:20: Willensfrage.".
00:15:21: Dann würden sich die Leute zusammenreißen, weil niemand will krank sein!
00:15:24: In meiner Bubble oder in meinem Freundeskreis ist voll das offene Thema und ich frage mich dann immer, also wenn ich so etwas höre wie jetzt mit was mit der in der Politik los ist?
00:15:32: Wie kann da sein dass es bei diesen Menschen nicht angekommen ist?
00:15:34: Also vielleicht kann ich da noch einen Satz zu sagen, weil ja unglaublich viele Menschen vom Aktionsbündnis Unterstützer von Bündnis in den letzten Wochen unermüdlich Gespräch um Gespräch mit Politikern geführt haben.
00:15:49: Also wirklich, die haben sie in ihre Praxen eingeladen!
00:15:51: Sie sind in die Bürgerporos gegangen, sie haben Telefonate geführt und es war erschreckend.
00:15:56: Oft kam nämlich das Feedback... Ach, das heißt dieses Gesetz.
00:16:01: Oh, das war mir gar nicht bewusst!
00:16:02: Und das hat natürlich in vielen Fällen erst mal ... Das war schön, weil dann konnten wir Aufklärungsarbeit leisten oder all die Kolleginnen und Kollegen, die diese Gespräche geführt haben.
00:16:12: Es hat echte Betroffenheit ausgelöst und es ist gut, denn da können wir die Politiker an ihrer menschlichen Seite packen.
00:16:17: Die haben sie ja auch nur.
00:16:19: Ich kann mir vorstellen, dass hier halt wirklich öfter, nicht immer aber so sehr ... zugeschüttet sind in der Arbeit, dass hier keinen Platz mehr für dieses.
00:16:26: Ich befasse mich jetzt wirklich mal eingehend mit einem Thema und überlege mir wirklich was bedeutet das auf dem menschlichen Ebene.
00:16:32: Ja es wäre schon meine nächste Frage, was ich politisch konkret ändern müsste damit alles besser wird.
00:16:36: aber erstmal Aufklärung ist ja schon mal etwas
00:16:38: Gutes!
00:16:39: Ja unbedingt ist es horrend wie schrecklich es damit steht.
00:16:43: Also ich glaube mal grundsätzlich könnten wir schonmal sagen mehr Therapieplätze?
00:16:47: Das glaube ich wär mal so grundsätzlig wichtig weil man dadurch halt glaub zumindest zum Teil auch Probleme lösen könnte, wie dass Menschen so ewig lang auf einen Platz warten.
00:16:57: Ja da würde ich gerne ergänzen für mehr Therapieplätze braucht es mehr Kassensitze weil ohne KassENSitze können wir nicht mehr Therapiefletze anbieten?
00:17:06: Weil das braucht mehr Kollegen.
00:17:08: die psychotherapeutische Versorgungslandschaft ist seit
00:17:13: Das macht ja jetzt das neue Gesetz auch nicht besser.
00:17:15: Es wird ja noch unattraktiver.
00:17:17: Korrekt,
00:17:18: richtig!
00:17:21: Genau.
00:17:21: und deswegen sind wir vom Aktionsbündnis so sehr dagegen und reißen uns mit dem Herz quasi alles auf was geht um das zu verhindern weil es wäre wirklich... Schrecklich für alle.
00:17:35: Also ich mein, klar für mich persönlich als Praxisinhaberin auch weil da schon irgendwie meine Existenz dran hängt und so.
00:17:41: aber vor allen Dingen halt für die betroffenen Patienten ja weil sie werden nicht mehr versorgt wenn ich die Behandlungskapazität meiner Praxis um die Hälfte reduzieren muss weil ich sonst nicht finanzieren kann und alle andere oder viele Kollegen das ebenfalls so machen müssten.
00:17:57: Dann gehen hunderttausende Behandlungsplätze verloren, es ist eigentlich unvorstellbar bei dem Bedarf.
00:18:02: aber ja ... Aber die Frage war eine andere was kann man tun?
00:18:06: Ne, gut dass du's erwähnst weil ich sehe da natürlich auch in erster Lidie die Patientinnen.
00:18:11: Ja, total unbedingt!
00:18:13: Die da wirklich ewig lange warten also die dann eben auch betroffen sind wie du schon gesagt hast von so Dingen wie Chronifizierung, die Symptomatik verschlechtert sich die diesen Weg irgendwann nicht mehr gehen können, diese nicht mehr schaffen so lange zu warten.
00:18:27: Und die sich dann halt irgendwann das Leben nehmen müssen oder sich gezwungen fühlen, sich das Leben zunehmen weil es so wie jetzt aktuelles nicht erträglich ist.
00:18:36: und das ist halt unfassbar.
00:18:37: schade weil ich glaube das Problem ist ja nicht dass wir zu wenig Therapeut innen haben sondern wir haben halt zu wenig Kassen-Sitzen dementsprechend zu wenig Therapieplätze.
00:18:46: Weiter Bildung finanzieren ganz wichtig.
00:18:50: Kassen, Zulassungen schaffen Was kann man noch?
00:18:53: Prävention.
00:18:54: Ich meine Psychotherapie an sich ist schon Präension, aber man kann ja auch schon vorher anfangen indem man zum Beispiel nicht die Kinder- und Jugendhilfe rauskürzt das was jetzt gerade auch in der Mache ist oder den Sozialstaat noch mehr schreffen.
00:19:06: also das sind Dinge die sollte man nicht tun sondern das Gegenteil tun.
00:19:10: anstatt rauszunehmen mehr Geld sollte man mehr Geld rein tun.
00:19:13: das kann man ganz ganz konkret tun.
00:19:15: Als ein sehr schreckliches Beispiel fällt mir da zum Beispiel die Dietrich-Bohnhöfer-Klinik in, ich glaube Niedersachsen.
00:19:22: Das ist die einzige stationäre Suchthilfeeinrichtung für Kinder und Jugendliche in Deutschland.
00:19:29: Und mit sage und schreibe ...
00:19:40: komplett online?
00:19:41: Komplett!
00:19:42: Also selbst wenn dann irgendwie... Wir sind halt deutschlandweit.
00:19:46: Das ist eh schon
00:19:48: viel zu wenig.
00:19:49: Man kann ganz viel Geld, und zwar langfristig nicht so projektbezogen ... Nein es geht um Menschenleben!
00:19:55: Und um Lebensverläufe.
00:19:56: ja wenn man Kinder und Jugendlichen so früh die Hilfe entzieht dann ist ja absehbar dass das nicht besser wird.
00:20:02: wie sollen sie sich aus ihrer Hoffnungslosigkeit da selber rausarbeiten?
00:20:06: was kann man auch tun?
00:20:07: Das Gesetz stoppen solche Einfachen Dinge.
00:20:11: Es müssten nur genügend Mitglieder des Bundestages dagegen stimmen, dann würde das Gesetz gegeben werden?
00:20:17: Klar, man könnte noch über Schulfächer in Schulen sprechen.
00:20:21: Also so was wie ein verpflichtendes Schulfach für alle Kinder, dass da lautet psychische Gesundheit oder sowas.
00:20:28: Absolut!
00:20:28: Aber das würde heißen, dass die Lehrer das auch können müssen... Das stimmt
00:20:31: und ich meine als Lehramtstudentin bin ja natürlich sehr dafür.
00:20:35: Man musste viel früher anfangen mit Aufklärungsarbeit.
00:20:39: Also, klar, ab einem bestimmten Alter kommt man wahrscheinlich auch irgendwann über Social Media in Kontakt.
00:20:45: Mit Sachen wie mentaler Gesundheit.
00:20:47: aber trotzdem wäre halt so wichtig, da wirklich adäquat informiert zu werden ... Ich
00:20:51: hatte meine ersten Symptome der sechsten Klasse, aber ich wusste es damals nicht.
00:20:55: Ich hatte kein Social-Media und wenn ich jetzt zurückblicke, das war vor, weiß ich nicht, zwölf Jahren?
00:21:00: Und ich bin jetzt in Therapie seit drei oder so!
00:21:03: Aber das ist mir dann erst klar geworden, dass er's schon so früh angefangen hat.
00:21:06: Da wärs doch wichtig gewesen, einen Ansprechpartner zu haben, also sei es irgendwie
00:21:12: die
00:21:12: Eltern.
00:21:13: Oder auch SchulpsychologInnen oder einfach ausgebildete Lehrkräfte.
00:21:18: Also das ist ja auch so ein Thema, das finde ich persönlich auch in meinem Studium viel zu kurz gerät... Es ist ein Thema, aber es ist leider nur ein Randthema.
00:21:27: Ich finde das müsste viel größer sein und unbedingt ins Studium integriert werden.
00:21:32: Vielleicht hätte man damit auch einiges verhindern können oder vielleicht hätte man dir viel besser helfen können in dem Moment wenn du nicht einfach gewusst hättest so hey da gibt's einen Ansprechpartner oder wenn du überhaupt gewusst Hättest wie du das selber zuordnen musst also dass du überhaupt weißt Da läuft gerade irgendwas gar nicht so, wie es laufen soll.
00:21:49: Und irgendwie geht's mir nicht gut
00:21:51: damit.".
00:21:51: So ist das wichtig auch als Kind oder Jugendlicher ein Vokabular dafür zu haben und das Einordnen zu können.
00:21:59: Ich wusste doch gar nicht was es ist!
00:22:00: Nur irgendwas ist komisch?
00:22:02: Was denn?
00:22:02: Also da würde ich sogar sagen ... Klar, das ist natürlich toll wenn man es benennen kann.
00:22:10: Und gleichzeitig ist es auch total normal, dass man das nicht kann oder noch nicht.
00:22:15: Weil sollen Kinder dann schon irgendwie psychotherapeutisches Vokabular benutzen, damit die Eltern das checken?
00:22:21: Würde ich überhaupt nicht so sehen!
00:22:22: Sondern es wäre halt wichtig, dass die Eltern ihrer Erziehungsrolle gewachsen wären.
00:22:27: Das ist so ein Ideal grad... Es gibt viele, die das wirklich gut machen aber es gibt einige, was weiß ich ...durch eigenem Stress durch eigene Bearbeitung, dass sie vielleicht gar nicht mehr aufmerksam für die Belange ihres Kindes sind, wie es eigentlich nötig wäre.
00:22:41: Und dann übersehen die vielleicht Frühwandzeichen, die sie möglicherweise hätten sehen sollen und das wär halt gut insgesamt... also ich utopisiere gerade!
00:22:51: Wäre schön wenn mehr Zeit für die Eltern gäbe dass sie sich auch mit ihren Kindern befassen können.
00:22:55: Wenn ihr betroffen seid oder euch vielleicht für das Thema ein bisschen engagieren möchtet, habe ich noch ein paar Veranstaltungstipps für euch.
00:23:02: Und zwar ist am zehnten Sechsten hier in München und Hannover eine Demonstration zusammen auch mit WERDI – zumindest in Münche!
00:23:09: Weil am zehnten und am elften Juni findet die Gesundheitsministerkonferenz in Hannover statt.
00:23:14: Das ist der Anlass dafür.
00:23:16: Außerdem finden am dreizehnten sechsten Deutschlandweit Demonstationen statt Und am siebenundzwanzigsten Juni findet hier in München die CSD-Parade statt.
00:23:26: Da hat das Aktionsbündnis auch einen Wagen angemeldet und da könnt ihr auch gerne vorbeischauen!
00:23:32: Genau.
00:23:32: An der Stelle auch noch mal ein kleiner Aufruf an andere Betroffenen, also gerade an die ganzen Patientinnen da draußen kommt vorbei informiert euch meinetwegen irgendwie auf Social Media oder unserer Homepage über die nächsten Demonstrationen.
00:23:46: wir haben auch ganz oft das Angebot dass wir einen Open Mic haben wo man sich dann selber nochmal zu Wort melden kann.
00:23:52: einfach auch nochmal in die Öffentlichkeit tragen und sichtbar machen kann wie sehr man selber unter diesen Kürzungen leidet.
00:23:58: Man hat die Möglichkeit da einfach auch noch einmal selber persönlich sein eine Geschichte zu teilen, ganz wichtig.
00:24:04: Also gibt viele Möglichkeiten und vielleicht könnt ihr ja mal vorbeischauen wenn es euch interessiert, wenn ihr betroffen seid einfach mal auf die Website oder ich bis hin durchklicken.
00:24:12: Jetzt machen wir weiter mit einem Thema, was immer noch mit Psychotherapie zu tun hat aber auch mit den sozialen Medien.
00:24:19: Und zwar sind in den sozialer Medien gerade Themen wie ADHS oder Autismus sehr präsent.
00:24:25: Viele Creatorinnen sprechen offen über ihre Diagnosen und über ihre Erfahrungen.
00:24:29: Dadurch erkennen sich manche Menschen in den Symptomen wieder und ziehen vielleicht manchmal auch vor schnell Rückschlüsse auf sich selbst.
00:24:37: Das passiert auch oft, ohne dass jemals eine professionelle Diagnose durch PsychologeInnen oder Ärztinnen erfolgt ist.
00:24:45: Sylvie hast du schon mal versucht dich über Social Media selbst zu diagnostizieren?
00:24:49: Oder irgendwelche psychischen Symptome von dir einzuordnen?
00:24:53: Das ist eine sehr gute Frage.
00:24:55: Also grundsätzlich, ich find's ja gut, dass überhaupt vermehrt drüber gesprochen wird und ... Ich kann ja nur von mir reden so wie das für mich damals war nicht wahr?
00:25:04: Also mit der Traumatisierung, es war damals so, ich wusste überhaupt nicht, wie ich das einordnen soll.
00:25:09: Ich wusste gar nicht okay was genaues da passiert, wie benenne ich das also.
00:25:14: Mir haben dafür auch einfach die Worte gefehlt und mir hat das schon auch sehr geholfen, mir da auch mal Berichte von anderen Leuten anzuschauen, zu gucken, wir gehen die damit um.
00:25:23: Verwenden die dafür Worte?
00:25:25: Zum einen hat es mir schon geholfen.
00:25:27: Auf der anderen Seite habe ich aber auch relativ schnell gemerkt, dass mir das zu viel wird.
00:25:33: Es hatte ja jeder quasi seine eigene Lebensgeschichte und jeder hat so sein eigenes Päckchen zu tragen.
00:25:39: Gerade mit Traumatisierungen ist das komplett individuell und keine Geschichte wie die andere.
00:25:45: Ich hab halt auch schnell gemerkt ... viel zu viel und das sind viele Informationen.
00:25:50: Und irgendwie hat halt auch nicht so richtig gepasst, für mich war es dann schon glaub ich auch noch mal essentiell wichtig ja da diese Diagnose auch nochmal von einer Fachperson also in dem Fall vor meiner Therapeute hingestellt zu bekommen und dass halt einfach wirklich auch nochmal quasi die Diagnosis hat halt quasi ... exakt zu meiner Geschichte gepasst und war halt nicht einfach irgendwas, was so ein bisschen passt.
00:26:11: Was hat jemand auf Instagram erzählt?
00:26:13: Das ist ganz wichtig!
00:26:15: Genau das war eine gute Mischung aus beiden.
00:26:17: Ich glaube es kommt immer drauf an... Wie sehr man sich darauf einlässt und wie viel Wert man auf so eine Online-Diagnostik legt.
00:26:24: Mir war es einfach nur wichtig, um das ein bisschen einordnen zu können, um festzustellen, ich brauch Hilfe!
00:26:30: Und für alles andere war ich dann aber sehr froh, dass ich da in professionellen Händen war.
00:26:34: Für die Sichtbarkeit ist es vielleicht gut, aber wenn man dann vielleicht zu sehr reingeht... Ich war ne Zeit lang habe ich ein Video gesehen über Autismus und hab gesagt, oh, das bei mir auch so ... Vielleicht will ich autistisch keine Ahnung.
00:26:46: Hast du das auch schon mal in deiner Praxis erlebt, dass Menschen mit so einer Selbstdiagnose zu dir kommen?
00:26:51: So krass noch nicht!
00:26:53: Aber ich hab durchaus Patienten die schon ... Bei mir in Behandlung sind die, was wir sich z.B.
00:26:58: immer wieder Chat-GPT befragen zu irgendeinem, was bei mir noch niemand vorgestellt hat, also TikTok oder Instagram hat gesagt ich habe.
00:27:06: Ich bin ganz dankbar dafür aber ich kann mir vorstellen dass es in anderen Praxen tatsächlich auch so läuft vielleicht in kind und jugendlichen Psychotherapeutenpraxen schon eher weil halt da die Affinität vielleicht nochmal größer ist.
00:27:18: Zahlen hab' ich leider dazu jetzt erst mal nicht.
00:27:22: Aber es wäre eben ganz wichtig, weil jetzt zum Beispiel Anfang des Jahres im Februar XXV eine sehr interessante und wichtige Studie veröffentlicht wurde von Ross et al.
00:27:33: Ich hoffe ich spreche das richtig aus.
00:27:35: Das ist eine Kooperation von deutschen Städten in Tokio Und da wurde herausgefunden dass das deutschsprachige TikTok überwiegend Fehlinformationen liefert für den bisherigen Bereich psychische Gesundheit.
00:27:47: Ich kann mal ein paar Zahlen zitieren, ich habe mich ein bisschen vorbereitet also... Bei den sechs meistgesehensten Hashtags zur psychischen Erkrankung, also ADHS-Depressionen, Autismusangstörungen, nazistische Persönlichkeitsstörung, spannenderweise und PTBS.
00:28:01: Also posttraumatische Überlastungsstörung waren neunzehn Komma zwei Prozent korrekt.
00:28:07: Das ist aber keine gute
00:28:08: Schlampe.
00:28:09: Das ist nicht so toll!
00:28:11: Nein, genau.
00:28:11: Ähm ... Achtunddreißig Komma Drei waren falsch.
00:28:15: Achtzehn Komma Eins waren übergenerellisierend und neunundzwanzig Kommaa Vier Prozent sind unter persönlicher Erfahrung einzuordnen was ja erst mal okay ist Aber es ist halt wichtig.
00:28:26: wie Sylvie schon gesagt hat Es ist eine persönlich individuelle Erfahrung Ein Erleben dass man Allein hat sozusagen und natürlich kann man sagen, na ja es erinnert nicht.
00:28:35: Aber dann muss man sich irgendwie auch die ganze Story anhören und das irgendwie auch verarbeiten.
00:28:39: für sich also schwierig.
00:28:41: gerade im Bereich nazistische Persönlichkeit waren zum Beispiel ganz viel falsche Informationen unterwegs Und natürlich auch vom Autor.
00:28:49: Also ob ist Fachpersonal oder Nichtfachpersonal?
00:28:51: Fachpersonal hat natürlich in der Tendenz häufiger korrekte Information geliefert als Nichtfach Personal.
00:28:58: Oh Mann, das ist wirklich
00:28:59: klar.
00:28:59: Es tut mir sehr leid alle zu ertäuschen aber ich glaube es war eine ganz wichtige Studie die da veröffentlicht würde.
00:29:06: Ich hätte auch noch was zu Insta, würdest du's wissen?
00:29:07: Ja!
00:29:08: Das ist es noch schlimmer.
00:29:10: Also es war natürlich ne andere Form Aber vielleicht erzähle ich erst mal.
00:29:13: also ich hab als Quelle des Leibniz Institut für Medienforschung gefunden Mit dem Hans-Bredo-Institut Und der Artikel wurde zuletzt im August vierundzwanzig aktualisiert also noch halbwegs frisch.
00:29:25: Generell gehts darum Und das Ergebnis, die Nutzung von Instagram kann das Wohlbefinden von Jugendlichen und vor allen Dingen jungen Frauen stark beeinträchtigen.
00:29:33: Das ist so der Claim an sich.
00:29:35: Weil in den Jahren des Jahrhunderts eine gelegte interne Facebook-Studie rausgekommen ist ... Das Wall Street Journal hat es veröffentlicht damals als Facebook Papers.
00:29:45: Facebook-Files, so hießen Sie.
00:29:47: Jeder Fünfte ist in der Selbstwahrnehmung vermindert wenn er auf Instagram ist.
00:29:51: Dreizehn Prozent beziehungsweise sechs Prozent für Großbritannien und USA haben, wenn sie mit den Nutzungen von Insta beginnen mehr Suizidgedanken und mehr den Drang sich selbst zu verletzen.
00:30:05: jungen Frauen und vierzig Prozent der jungen Männer vergleichen sich negativ, falls das ein Griff ist.
00:30:11: Also man sucht sich einen überholtes Ideal irgendwelche bekannten Influencer-Stars oder sowas.
00:30:17: die verwenden natürlich alle Filter und dieses ganze Zeug.
00:30:19: theoretisch weiß man das aber man vergleicht sich trotzdem mit diesen unerreichbaren Schönheitsidealen und fühlt sich dann schlechter.
00:30:25: so und dass tut man halt permanent wenn man auf Insta ist weil so funktioniert Insta Und von diesen sechsundsechzig Prozent weiblichen Nutzern sind halt zwei in drei.
00:30:38: was dann wiederum,
00:30:39: z.B.,
00:30:39: so etwas wie die Entwicklung einer Erstörung begünstigt oder einer Depression ... Was
00:30:43: ist denn das Gefährliche an Selbstdiagnosen?
00:30:47: Generell ist ja so, dass man üblicherweise die Informationen durch seinen eigenen Filter durchlässt, die zu seinem Konzept passen.
00:30:56: Also wenn ich das Konzept von mir selbst habe, irgendwas ist mehr komisch, bin ich eher bei Content schneller zur Hand, der mir bestätigt, dass ich komisch bin.
00:31:07: Wenn ich mir denke ... Ich weiß nicht, mein Lehrer hat mir gesagt, du zappelst so und dann suche ich irgendwie Zappelso?
00:31:13: Dann gibt's ganz viele Links zu ADHS-Autismus!
00:31:17: Und dann sagt man, oh ja, da erkenne ich mich wieder.
00:31:20: Ähm, dann ist das ... Meinet wegen eine anektotische Evidenz, aber es ist halt keine gesicherte Diagnose und das ist die Schwierigkeit dabei.
00:31:28: Ich glaube schon, dass es auch andererseits den positiven Effekt haben kann, dass man sich eben erst mal so ein bisschen erleichtert fühlt.
00:31:35: Dass man sagt achso jetzt habe ich einen... Jetzt kann ich mal in eine bestimmte Richtung suchen, nur dann geht's auf Social Media sehr schnell die Rebels-Holes runter.
00:31:45: Ich weiß nicht, ob sie helfen, dass es einem besser geht?
00:31:48: Kommt
00:31:48: wahrscheinlich auch den Algorithmus schön an wie man den trainiert hat.
00:31:51: Richtig und das geht ja meistens ziemlich schnell!
00:31:54: Also was auf jeden Fall auch so ein Problem ist ... Ich meine einerseits stumm dir voll zu, es kann auf jeden fall der Orientierung dienen.
00:32:01: aber ich glaube es kann halt auch ab einem bestimmten Punkt Ich sag jetzt mal kippen und dann vielleicht auch unter Umständen zu so einer Art Überidentifizierung mit dem Problem oder der Erkrankung führen, wenn man halt ständig nur noch diesen Content konsumiert.
00:32:13: Dass man sagt okay keine Ahnung ich seh mich da total bei ADHS Und dann fang ich aber irgendwann vielleicht an dass ich jetzt quasi alles auf dieses adhs schieb und nicht beschäftigt mich nur noch damit.
00:32:26: Das kann halt auch schwierig sein, ich glaube auch da ist es dann wieder wichtig, dass man genügend Therapieplätze hat um sowas vielleicht einfach mal ab abklären zu lassen, wenn man die entsprechende Fachperson wird dann schon sagen.
00:32:36: Ja, klingt so wie ein ADHS.
00:32:39: Man kann sich das noch mal anschauen oder man kann ja auch sagen, es ist vielleicht doch nicht und vielleicht liegt da was ganz anderes dahinter?
00:32:45: Ich finde, das muss man trotzdem immer noch abklähern.
00:32:48: Es ist halt nicht damit getan einfach zu sagen ich habe da ein paar Reals auf Instagram gesehen.
00:32:52: Total!
00:32:53: Ist nicht auch so dass ADHS Diagnostik...
00:32:56: Wenn man es selbst zahlen muss, dann ja.
00:32:58: Aber auch das sollte vom Gesundheitssystem gezahlt werden, wenn man gesetzlich versichert.
00:33:02: Eigentlich!
00:33:03: Ja schon und da haben wir wieder ... Es gibt einen sehr hohen Bedarf der kann aber gar nicht gedeckt werden weil es nicht genügend Behandlungskapazitäten gibt.
00:33:12: also wir kommen immer wieder auf dieses Thema zurück und auf dieses Grundproblem.
00:33:16: Also, ich würde jetzt einfach mal sagen den selben Umgang wie allgemein mit dem Internet.
00:33:20: Dass man halt das, was man
00:33:21: sieht
00:33:22: hinterfragt nicht sofort alles glaubt und sofort sagt na ja ... Jetzt hab ich gesehen, irgendwie passt's schon, es wirds schon sein.
00:33:29: Sondern dass man das halt immer ja einfach mit ein bisschen Verstand hinterfragt, dass man sich gegebenenfalls, wenn man eben so einen Verdacht hat noch einmal eine Therapeutin oder eine Therapeuten aufsucht und sich da noch mal Hilfe sucht, wenn es halt möglich ist.
00:33:44: Ähm ...
00:33:45: Das ist ja leider aktuell so ein Problem.
00:33:49: Genau, aber ich glaub das ist ganz wichtig, dass man einfach sagt okay, man geht da nicht blauäugig rein und nimmt alles für barre Münze sondern reflektiert es auch noch mal.
00:33:59: Glaubt ihr, es gibt einen gesunden Umgang wie Creator, das vielleicht rüberbringen könnten oder CreatorInnen?
00:34:05: Dass sie aufklären,
00:34:09: Wir haben ja gerade gelernt, dass quasi Nichtfachpersonal-Creator oft falsche Informationen verbreiten.
00:34:15: Also lieber nicht!
00:34:18: Da könnte man vielleicht sagen, zahlt den Therapeuten noch mehr Geld?
00:34:21: Dann können sie mir Insta-Reals machen.
00:34:24: Das fände ich lustig und dann würde ich mich vielleicht sogar Insta anschaffen.
00:34:27: Es würde auch unterstützt
00:34:28: werden.
00:34:29: Dass sozusagen die Qualität auf Insta mal so ein bisschen geboostet werden kann.
00:34:34: Man kann natürlich richtig an die Basis gehen und sagen okay, also die Realschuhe... Der Algorithmus muss verändert werden, aber da muss man jahrelange Klagen gegen Meter anstrengen.
00:34:46: Die haben eine erste Niederlage kassiert, Anfang des Jahres, weil sich deren KI auf jeden Fall ... Da hat jetzt das Erste Gericht in erster Instanz geurteilt, dass die Schuld daran sind, dass sich Jugendliche suizidiert haben im USA.
00:35:01: Natürlich geht Meta in Berufung, aber es geht tatsächlich darum, Facebook-Meta weiß ja, dass der Algorithm ... Schaden anrichtet.
00:35:09: Und das konnte in dieser Instanz eben nachgewiesen werden und das ist schon recht gut, also Strukturen ändern aber natürlich dann im Alltag ganz viel Aufklärung, Fachaufklärungen leisten.
00:35:20: Das braucht natürlich wieder Zeit die irgendwie bezahlt werden muss.
00:35:23: oder dass es an Schulen geht.
00:35:25: ich fände super wenn Eltern aufgeklärt wären weil alle reden oh Gott die haben Jugendlichen die können das ja nicht unterscheiden und so und die Kinder sind ja alle nicht mündig.
00:35:34: meinetwegen kann man das auch sagen.
00:35:36: die Erwachsenen sollten sich auch mal ein bisschen aufschlauen.
00:35:39: Dann könnten sie sagen, hey jetzt sind wir genauso Medienkompetent wie ihr und dann können wir mal reden.
00:35:44: also ich glaube es braucht halt ganz viel Austausch darüber und nicht jeder sowohl erwachsen als auch Kinder hängt in seinem Zimmer alleine vor dem Handy rum und geht an das Bett und man spricht nicht miteinander.
00:35:55: Also das würde ich auch tatsächlich zur Medienkompatenz Auf beiden Seiten der Erwachsene und Kinder dazu zählen dass man auch so ein bisschen Schubladen denken abbauen kann.
00:36:04: Weil ob ich jetzt sage, okay, ich bin halt der Nazist oder ich bin ein ADHS-Ler, das sind alles Schubladen, die man sich entweder selber steckt oder von einer Gesellschaft angesteckt wird, die ja auch nicht dazu beitragen, dass man sich irgendwie als ganzheitliche Person wahrnimmt, weil es selbst wenn's zutrifft, dass ich ADHS habe, dann bin ich halt nicht nur mein ADHS?
00:36:21: Ja und du bist nicht wie die anderen, die auch ADHS haben,
00:36:24: sondern scheiß dich hier noch
00:36:25: mal intern.
00:36:26: Da hab' ich doch eine Abschlussfrage für euch jetzt allgemein!
00:36:29: Was wünscht ihr euch für die Zukunft der psychischen Gesundheitsversorgung in
00:36:32: Deutschland?".
00:36:33: So ganz kurz und knapp, was ich mir wünschen würde für jeden einzelnen Menschen da draußen.
00:36:38: Es ist das, dass jede Person die Hilfe bekommt, die sie braucht.
00:36:41: Also ... Damit meine ich, zeitnah.
00:36:44: Ich mein damit finanziert und zwar nicht nur kurz dass man sagt naja jeder kriegt irgendwie eine kurze Zeittherapie über keine Ahnung.
00:36:51: lasst es fünfundzwanzig Sitzungen sein und dann ist das gut und da muss der Mensch halt irgendwie schauen dass er klar kommt sondern dass halt wirklich jeder adäquat behandelt wird zum richtigen Zeitpunkt um.
00:37:00: dafür glaube ich Es ist ganz ganz wichtig dass wir in Zukunft auch die nötigen Strukturen schaffen.
00:37:05: ich kann mich anschließen da ist nichts hinzuzufügen.
00:37:10: Vielen Dank für eure Zeit.
00:37:11: Schön, dass ihr da wart!
00:37:12: Vielen Dank!
00:37:13: Danke auch!
00:37:14: So dann
00:37:15: sind wir auch schon am Ende dieser Babelsendung angekommen.
00:37:19: Vielen dank das ihr zugehört habt.
00:37:20: ich hoffe ihr konntet ein bisschen was mitnehmen.
00:37:22: Ich bin Janina und ich wünsche euch jetzt noch einen schönen Abend Und verabschiede mich mit einem absoluten Banger Song.
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